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Sherlock Holmes, Professor Bell und ein Lebenstraum – Bradley Harper über die Premiere von „Leviathan“

Von Bradley Harper

Fortsetzung von „Von „Doktor Doyle jagt Jack the Ripper“ zu „Leviathan“ – Wie aus einem Roman ein Film wurde“

Die Wahl unseres Drehorts war eine der besten Entscheidungen der gesamten Produktion.

James Mansell fand ein stillgelegtes viktorianisches Leichenschauhaus aus dem 19. Jahrhundert – genau die Art von Ort, die ich beim Schreiben der Szene vor Augen gehabt hatte. Die Atmosphäre verlieh dem Film eine Authentizität, die sich künstlich kaum hätte erzeugen lassen.

Ganz ohne Herausforderungen verlief die Sache allerdings nicht. Die zuständigen Behörden mussten erst überzeugt werden, uns die Nutzung zu gestatten. Zudem waren umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Da unser Budget lediglich einen Drehort zuließ, musste ich das Drehbuch so gestalten, dass die Handlung voranschreiten konnte, ohne den Schauplatz zu wechseln.

Zum Glück konnten wir auf hervorragende Schauspieler zählen.

Matthew Lloyd Davies, der Professor Bell verkörpert, kannte ich bereits seit 2018. Damals sprach er das englische Hörbuch zu „A Knife in the Fog“ (Originaltitel von „Doktor Doyle jagt Jack the Ripper„) ein. Seine Leistung wurde mit dem Earphones Award des AudioFile Magazine ausgezeichnet. Er kannte die Figuren bereits sehr gut, und ich wusste von Anfang an, dass er die ideale Besetzung für den Mann sein würde, der als reales Vorbild für Sherlock Holmes diente.

Die Besetzung von Arthur Conan Doyle erwies sich als deutlich schwieriger. Schließlich bewarb sich Rafe Bird für die Rolle, und sowohl sein Alter als auch seine Ausstrahlung passten perfekt. Er verleiht Conan Doyle nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern auch Menschlichkeit.

Meine Frau zeigte mir einmal ein Foto des jungen Doyle aus seiner Zeit als Schiffsarzt auf einem Walfänger. Die Ähnlichkeit ist bemerkenswert.

Lauren Cornelius als Margaret Harkness war für mich der Schlüssel zum gesamten Film. Margaret zwingt die männlichen Figuren dazu, die Vorurteile gegenüber Frauen zu hinterfragen, die im viktorianischen Zeitalter allgegenwärtig waren und teilweise bis heute fortbestehen.

Obwohl ich den Roman aus Conan Doyles Perspektive geschrieben habe, ist die Geschichte genauso Margarets Geschichte. Sie verwandelt eine klassische Jack-the-Ripper-Erzählung in eine Geschichte über Gerechtigkeit und Gleichberechtigung.

Um die Zuschauer noch stärker in die Handlung hineinzuziehen, setzte James auf eine besonders immersive Kameraführung. Das Publikum sollte das Gefühl haben, direkt neben unseren drei Hauptfiguren zu stehen, während diese den Mordfall untersuchen und gleichzeitig mehr über den Täter – und übereinander – erfahren.

Ein besonders schönes Detail war die Verbindung zu Professor Bell selbst. James Mansell ist ein direkter Nachfahre des berühmten Mediziners und konnte sogar Bells originalen Schreibtisch als Requisite verwenden.

Ernest Hemingway schrieb einmal, dass eine gute Geschichte wie ein Eisberg sei – der größte Teil bleibe unter der Oberfläche verborgen. Für mich sind es genau solche Details, die einer Geschichte Tiefe verleihen. Sie tragen den Geist jener Menschen in sich, die unsere Figuren inspiriert haben.

James versteckte außerdem ein Exemplar meines Romans auf dem Tisch. Ein kleines Easter Egg, das mich sehr zum Schmunzeln brachte.

Das große Glück dieser Produktion war, dass viele Menschen dabei waren, die mir persönlich nahestehen.

Mein Freund und deutscher Agent Philipp Röttgers, seine Mutter Dorothee – die Übersetzerin meiner Bücher – sowie seine Schwester Katharina, die unsere Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, waren während der Dreharbeiten in London dabei.

Mitten in die Produktion fiel außerdem mein Geburtstag. Die drei organisierten einen wunderbaren Abendspaziergang durch das historische Whitechapel für mich und unsere Gäste.

Besonders passend war, dass wir im Pub „The Crutched Friar“ feierten, direkt unterhalb des Bahnhofs, an dem die dramatische Schlussszene meines Romans spielt.

Ebenfalls anwesend waren mein erster Lektor Jay Alchin sowie meine langjährige Freundin Lois, mit der ich viele Jahre zuvor in Heidelberg gearbeitet hatte. Es war ein wunderbares Wiedersehen.

Und natürlich war meine Frau Chere dabei.

Sie gehört nicht zu den Menschen, die einfach nur zuschauen. Deshalb meldete sie sich freiwillig als Script Supervisor und behielt während der Dreharbeiten den Überblick über Szenen, Abläufe und Anschlussfehler.

Nach dem ersten Drehtag sagte ich zu ihr, dass ich noch nie zuvor mit einer Script Supervisorin geschlafen hätte.

Da wir kurz zuvor unseren 51. Hochzeitstag gefeiert hatten, kennt sie meinen Humor inzwischen recht gut und verzichtete darauf, mich allzu hart für diesen Witz zu bestrafen.

Chere und ich arbeiten in der Weihnachtszeit als Santa Claus und Mrs. Claus. Viele Jahre lang waren wir im Busch Gardens Williamsburg tätig. Dort koordinierte Chere als Mrs. Claus ein ganzes Team von Elfen und Spielzeugsoldaten.

Als wir das Filmset betraten, fühlte es sich für uns fast wie die Werkstatt des Weihnachtsmanns an. Überall arbeiteten Menschen mit Begeisterung und Leidenschaft an einem gemeinsamen Ziel. Niemand hatte den Eindruck, einfach nur seinen Job zu machen.

Diese besondere Atmosphäre war geradezu magisch, und ich bin überzeugt, dass man sie im fertigen Film spüren kann.

Während der Postproduktion schickte mir James regelmäßig neue Schnittfassungen. Etwa einen Monat vor der Premiere bat ich ihn schließlich, keine weiteren Versionen mehr zu senden.

Ich wollte den fertigen Film gemeinsam mit Cast und Crew zum ersten Mal erleben.

Zum Beispiel hatte ich die endgültige Musik noch nie gehört.

Als der Film endete, hatte ich Tränen in den Augen.

Ich war erleichtert.

Ich war stolz.

Und ich war dankbar.

Wahrscheinlich wird dies das einzige Drehbuch bleiben, das jemals von mir produziert wurde.

Und das ist völlig in Ordnung.

Es war ein gutes Drehbuch.

Ich verliebte mich in Sherlock Holmes in dem Sommer, als ich dreizehn Jahre alt wurde. Damals nahm ich mir vor, eines Tages eine Geschichte zu schreiben, die jener Junge begeistert gelesen hätte.

Ich glaube, dieser Junge wäre heute stolz gewesen.

Möge das Spiel immer weitergehen.

Bradley Harper

Fotos: Augustin Hardy

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