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Von „Doktor Doyle jagt Jack the Ripper“ zu „Leviathan“ – Wie aus einem Roman ein Film wurde

Von Bradley Harper

Die meisten Schriftsteller stellen sich irgendwann vor, ihre Figuren auf der Leinwand zu sehen. Als ich mit 63 Jahren begann, Romane zu schreiben, war ich da keine Ausnahme. Obwohl ich es besser wusste, träumte ich davon. Und was wäre ein Schriftsteller ohne Träume?

Als sich Regisseur James Mansell mit der Idee bei mir meldete, einen Kurzfilm auf Grundlage meines Romans „Doktor Doyle jagt Jack the Ripper“ (Origintaltitel: „A Knife in the Fog“) zu produzieren, war ich fasziniert, aber auch skeptisch. Nach zwei Jahren Vorbereitung und etwa dreißig Überarbeitungen des Drehbuchs fanden wir schließlich die Finanzierung und konnten den Film realisieren.

Der Kurzfilm erhielt den Titel „Leviathan“. Anfangs war ich nicht begeistert von James’ Vorschlag, doch er wollte den Romantitel für eine mögliche spätere Langfilm- oder Serienadaption aufheben. Mit der Zeit lernte ich den neuen Titel lieben. Er ermöglichte es mir außerdem, einige wunderbare Zeilen aus dem Buch Hiob einzubinden, die für mich das Böse beschreiben, mit dem unsere Helden konfrontiert werden.

Ich mag die Vision gehabt haben, aber zwischen einer Idee im Kopf und einem fertigen Film liegen unzählige praktische Schritte. James verfügte entweder selbst über die nötigen Fähigkeiten oder kannte genau die richtigen Menschen in der Londoner Kreativszene, um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Seine Entscheidung, Anthony Lynch als Produzenten zu gewinnen, erwies sich als Glücksgriff. Anthony sorgte dafür, dass alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, dass wir etwas zu essen hatten und – was bei Filmproduktionen nicht zu unterschätzen ist – dass funktionierende Toiletten vorhanden waren. Wer schon einmal einen Gewaltmarsch mitgemacht hat, weiß, wie wichtig solche Dinge sein können.

Während das Schreiben eines Romans meist eine sehr einsame Tätigkeit ist, gleicht Filmproduktion einem Mannschaftssport. Jeder bringt seine Fähigkeiten ein, und nur gemeinsam entsteht etwas Größeres.

Unser Kostümteam legte größten Wert auf historische Authentizität. Das Kleid unserer Schauspielerin war über hundert Jahre alt. Da die ursprünglichen Knöpfe längst fehlten, musste sie an beiden Drehtagen buchstäblich in das Kleid eingenäht werden.

Mein Conan Doyle hingegen litt unter dem hohen viktorianischen Hemdkragen. Als die Dreharbeiten beendet waren, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen angesichts der roten Druckstellen an seinem Hals. Andererseits heißt es doch, Künstler müssten für ihre Kunst leiden.

Besonders beeindruckend war ein großes Glasgefäß mit einem amputierten Fuß, das aussah, als stamme es direkt aus dem viktorianischen Zeitalter.

Unsere Szenenbildnerin Emily, die wir alle nur „Em“ nannten, war kurz zuvor von den Dreharbeiten zu „Dune: Part Two“ zurückgekehrt und durchaus froh, den Wüstensand gegen London eingetauscht zu haben. Ihre Aufgabe bestand darin, sämtliche modernen Elemente aus unserem Drehort verschwinden zu lassen und historische Requisiten zu ergänzen.

Doch Em brachte noch mehr ein als ihr handwerkliches Können.

Unsere Leiche war eigentlich eine Schaufensterpuppe, die wir mit Kunstblut feucht hielten. In einer Szene untersucht Margaret Harkness den Arm des Opfers. Schnell wurde klar, dass der künstliche Arm nicht überzeugend genug wirkte.

Glücklicherweise ist Em rothaarig und von nahezu porzellanweißer Hautfarbe. Also legte sie sich unter das Leichentuch auf den kalten Metalltisch und stellte ihren eigenen Arm für mehrere Einstellungen zur Verfügung.

Bis heute finde ich, dass dieser Arm einen eigenen Eintrag im Abspann verdient hätte.

Fortsetzung folgt…

Beitragsbild: Lauren Cornelius als Margaret Harkness in „Leviathan“ (Foto: Augustin Hardy)

Fotos: Augustin Hardy

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Lauren Cornelius als Margaret Harkness in "Leviathan"

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